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Wie kleine Kinder Bücher lesen

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Die Bandbreite der Themen für das Heranführen von Kindern an Literatur ist gross. Die Zeit der meisten Eltern und anderer Betreuungspersonen ist oft begrenzt.  Dieses Buch bringt die literarische Frühförderung auf den Punkt: inhaltlich, haptisch, visuell.

Ganz klar: wer schon früh mit Vergnügen liest, wird später meist bessere schulische Leistungen erbringen. Eine Studie mit 10.000 Kindern und Jugendlichen zeigte, dass Leselust positive Änderungen im Gehirn bewirkt: die Fähigkeit zur Konzentration steigt, das Gedächtnis ist aufnahmefähiger, die Sprache wird ausdrucksstärker.

Wie die Sprache wächst, zeigt eine Zeitleiste, die beim Baby von einem Monat beginnt, das schon mit seiner Zunge im Mund Laute und Geräusche produziert. Dann geht es Schritt für Schritt munter weiter, so dass ab dem ersten Jahr einzelne Wörter geformt werden. Die AutorInnen beschreiben die Sprachentwicklung und geben hilfreiche Hinweise, wie die Erwachsenen unterstützen können.

Ab zweieinhalb Jahren umfasst der aktive Wortschatz mehr als 500 Wörter.  20jährige verfügen etwa über 16.000 Wörter. Bis Mitte 30 hat unser Gehirn ca. 100.000 Wörter gespeichert, etwa die Hälfte davon wird aktiv genutzt. Die andere Hälfte ist bekannt, wird allerdings kaum gebraucht. Die deutsche Sprache hat einen Wortschatz von ungefähr einer halben Million. Der aktuelle Duden listet 151.000 Stichwörter.

Viele Bücher für kleine Kinder sind mit Spielelementen versehen: etwas bewegt sich, fühlt sich unterschiedlich an, gibt Töne von sich. Spielend lernt es Wörter Dingen zuzuordnen.

Als ideal fürs erste Lebensjahr werden Kontrastbücher hervorgehoben: ohne Farbe, schwarz-weiss, denn dies können Babys besser erkennen.

Vorlesen gestaltet die Zeit für Alle wohltuend: «Eine weitere Motivation für Baby und Kleinkind ist die «soziale Interaktion», das heisst: Es bekommt beim gemeinsamen Betrachten die ungeteilte Aufmerksamkeit einer Bezugsperson. Und: Das Anschauen und Kuscheln dabei vermitteln eine Atmosphäre der Geborgenheit.» (S. 21)

Das Buch ermuntert, ermutigt auch Nicht-Eltern gemeinsam mit dem Kind die Welt der Bücher zu entdecken. Die Hinweise und Erläuterungen sind leicht und freudig umsetzbar, die Bilder zeigen Menschen aller Hautfarben bei unterschiedlichen Tätigkeiten, Interviews mit Fachleuten bereichern. Der aus Syrien stammende Schriftsteller Rafik Schami betont die Bedeutung des Aufmerksamkeit Schenkens in beide Richtungen: auch wir lauschen, was das Kind an Geschichten erfindet. Die Sprachwissenschaftlerin Rosemary Tracy hebt die Vorzüge der Mehrsprachigkeit hervor: reicherer Wortschatz, metasprachliches Bewusstsein. Kinder wachsen eh mehrsprachig auf: denn Kinder hören auch Dialekte und Varianten des Deutschen, merken also schon früh Unterschiede und können bestens damit umgehen.

Vorlesen – so schreiben die AutorInnen – macht auch nach dem Einschulen der Kinder weiterhin Spass. Selbst Erwachsene lieben es, vorgelesen zu bekommen.

Vier Seiten mit Büchertipps für Babys und Kleinkinder locken zum Erkunden. Ab drei Jahren lautet die Empfehlung: mit dem Kind in Buchhandlungen und Bibliotheken stöbern!

Das Autorenteam entstammt dem Senter Kreis, der sich 2004 auf der Internationalen Jugendbuchmesse in Bologna gründete. Diese Gruppe von Kinderliteraturfachleuten und Leseförderern veröffentlichte weitere Bücher zum Thema.

Nicola Bardola, Stefan Hauck, Alexandra Rak, Christoph Schäfer, Ralf Schweikart: Wie kleine Kinder Bücher lesen, Wegweiser für literarische Frühförderung, mit Bildern von Meike Töpperwien, Carlsen Verlag, Hamburg, 2025, 80 Seiten