Alternativen los

Wie bunt ist unsere Welt, wie vielfältig ist die Natur, wie wandelbar ist das Leben.
Ist das nicht köstlich?
Macht es nicht Freude?
Lockt es nicht zum Ausprobieren?

Die Vielfalt, die Komplexität, die in der gesamten Natur zu finden ist, bringt mich oft zum Staunen, zum Wundern, zu Ehrfurcht: kein Baum gleicht dem andern; jede Rose blüht anders, selbst wenn es die gleiche Sorte ist. Farbenfroh ist jeder Tag, auch graue Regentage sind nicht schwarz-weiss monochrom: Blätter und Gräser glänzen in ihren jeweiligen Grüntönen, das Grau des Himmels ist mit Blau und Rosa durchsetzt, die Blüten der Rosen, im Sonnenlicht noch grell und knallig pink, gelb, lila, rot strotzend, schimmern nun wie dunkler Samt.
Immer wieder gibt es neue Ansichten, die Pflanzen wetteifern in unterschiedlichen Zusammenstellungen von Formen und Farben; sogar gezüchtete Gemüse kommen nicht in genormten Formen.
Diese Variabilität, diese Fülle im Verschieden sein zeigt deutlich: es gibt immer mehrere Alternativen. Wenn es regnet, kann gleichwohl die Sonne scheinen – schon erscheint ein Regenbogen. Eindeutig ist die Natur nicht, sondern vielschichtig, voller Variationen, als ob das Motto hiesse: Alternativen los!
Und doch: immer wieder breitet sich Schwarz-Weiss-Denken aus, mündet in dem Basta-Satz: das ist alternativlos. Farbenblindheit?
Dem französischen Künstler Francis Picabia (1879-1953) wird der Satz zugeschrieben: «Der Kopf ist rund, damit das Denken seine Richtung ändern kann.»
Vergnügt radle ich nach Möglichkeit stets auf anderen Wegen zum Zentrum, nehme mal den Bus, mal die Bahn zum Bahnhof, gehe im Park links oder rechts des Bachs, stosse auf unterschiedlichen Wegen zum angepeilten Ziel, entdecke neue Lichtungen im Wald…Ich folge gern einem manchmal lässig daher gesagten Sprichwort, mache  bereichernde Erfahrungen, auf all den Wegen, die nach Rom oder sonst wohin führen. Vielfalt, Verschiedenheit  überraschen das Wahrnehmen.