Bücher

Ein Buch über Bücher. Über das Sprechen über Bücher. So fängt es an:
«Es wird Zeit, alles zu überdenken. Alles. Was es bedeutet, zu schreiben, und was es bedeutet, für ein Publikum zu schreiben – und für welches Publikum? Was verspreche ich mir vom Schreiben?»
Ja, warum werden Bücher geschrieben?
Tim Parks: Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen, übersetzt aus dem Englischen von Ulrike Becker und Ruth Keen, Goldmann Verlag München 2019, 283 Seiten
Tim Parks versucht Antworten rund um das Buch zu geben und stellt dabei auch den Nobelpreis für Literatur in Frage. Denn wie entscheiden die alten, schwedischen Männer, mit einer festen Professorenstelle, welche Literatur weltweit gerade die herausragendste ist? Die Mitgliedschaft im Gremium ist lebenslänglich, wo bleiben da die Jungen? Wo sind die Frauen? Wo sind Angehörige anderer Kulturen? Wozu also das Ganze?
Zum Nachdenken regte mich folgender Passus auf Seite 19 an:
«Bevor wir überhaupt anfangen, Geschichten zu erzählen, wimmeln sie in embryonaler Form bereits massenhaft in unserer Sprache. Es gibt Wörter, die einfach nur Dinge in der Natur bezeichnen: ein Kieselstein, ein Baum. Es gibt Wörter, die Dinge beschreiben, die wir erschaffen: das Wort «Stuhl» zu kennen, heisst über die Bewegung vom Stehen hin zum Sitzen Bescheid zu wissen und erkannt zu haben, wie sich der menschliche Körper bestimmten Formen und Materialien anpasst. Es gibt aber auch Wörter, die bereits eine ganze Erzählung enthalten beziehungsweise ohne sie nicht verständlich wären. Wir verstehen Wörter wie Gott, Engel, Teufel, Gespenst nur anhand von Geschichten, da solche Wesen unmöglich ohne sie verstanden werden können, jedenfalls für meinesgleichen. Hier ist nicht nur das Wort erfunden – das sind alle Wörter – sondern auch das Bezugsobjekt und eine dazugehörige Geschichte.
Gott ist eine Schöpfungsgeschichte in einem Wort.»
Diese Aussage trifft! Und sie trifft sich mit einem Gedicht aus der Sprache der Sami, das mit der Zeile endet:
«Gott ist ein Verb»
Der junge norwegische Poet Niilas Holmberg trug es auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse vor.

Buchmesse Frankfurt/Main Oktober 2019