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Der Fluss des Lebens

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«Mit jeder Einatmung entfalten sich die grossen Flügel der Lunge, legen sich liebevoll um das Herz und halten es ganz bewusst und sanft einen Augenblick lang. Mit jeder Ausatmung lassen sie das Herz ganz langsam und bewusst wieder los…Mit jedem bewussten Atemzug können wir unser Innerstes, unser Herz ganz bewusst umarmen, trösten und einen Augenblick halten, um es dann wieder freizugeben.«
Diese Sätze des Herzchirurgen trösten in der Tat und regen zugleich an, sich des Atems bewusster zu werden, das Zusammenspiel von Atem und Herzschlag besser zu begreifen.
Die Flüssigkeit, die uns am Leben hält, wird in allen Kulturen wertgeschätzt, auch wenn Blut immer wieder in Kriegen vergossen wird.
Forschungen zeigen immer mehr Informationen, die über das Blut gewonnen werden können.
Wie im ersten Buch des Autors über das Herz „Der Takt des Lebens“ faszinieren die Querverbindungen, die Friedl zwischen seinem Fachgebiet und anderen Denkweisen zieht. Er lässt seinen Gedanken freien Lauf, erinnert sich an eine Hospitation in einer Klinik, wo der Chirurg während der OP seine Pinzette wie einen Pinsel ins Blut des Herzens tupfte und Skizzen auf die grünen OP-Tücher malte. «Das Blut schien ihm das irgendwie übel zu nehmen, denn ich kann mich erinnern, dass es bei ihm immer besonders ausgeprägt blutete.» schreibt Friedl.
Er weist darauf hin, dass es keine biologische Begründung für Menschenrassen gibt. Blut muss genetisch immer wieder aufgefrischt werden, um gesund zu bleiben: «Ausgrenzung und Elitarismus …halten das Blut nicht rein, sondern machen es krank.»
Für ihn gehört die Seele unbedingt zum Menschsein und zur Medizin. Die Seele durchwirkt uns wie das Blut ist er überzeugt und er freut sich an der Bedeutung des Wortes Psyche: Schmetterling, ein schönes Bild für Kraft und Zartheit der Seele.
Ebenso muss die Umwelt einbezogen werden, wenn wir uns mit Gesundheit beschäftigen, denn wir existieren nicht getrennt von der Erde, sondern mit ihr. Wenn wir die Kreisläufe von Luft und Wasser verschmutzen, vergiften wir uns selbst.
Heilung geschieht auch durch Liebe. Das Bindungshormon Oxytocin wird im Gehirn und im Herzen produziert, wo es eine schützende Wirkung entfalten kann. Es stärkt das Immunsystem, unterstützt Selbstheilungskräfte.
Friedl gibt uns mit naturwissenschaftlichen Erklärungen in seinen Formulierungen zugleich Hilfen für ein achtsames Leben: «Und ich glaube: Niemand ist für immer fort. Bewusstsein ist ein Kontinuum, das seine Gestalt wandelt und durch die Welten des Seins wandert.»

Dr. Reinhard Friedl mit Shirley Michaela Seul: Blut – Der Fluss des Lebens – Wie Körper und Geist, Wirtschaft und Kultur mit unserem roten Organ verwoben sind, Goldmann München 2023, 317 Seiten
siehe auch:
https://luna-yoga.com/dem-herzen-lauschen/

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