30 Jahre Femscript Bern
Ich erinnere mich
an Räume, die es nicht mehr gibt, an verrauchte Hinterstuben, als Zigaretten noch wichtige Zutat künstlerischer Freiheit waren, an heftige Diskussionen.
Ich erinnere mich
an die erste Begegnung mit dem Berner Schreibtisch: Frauen aller Sprachgruppen der Schweiz hatten den Verein Netzwerk schreibender Frauen gegründet, um sich bei monatlichen Treffen in verschiedenen Städten im eigenen Schreiben zu bestärken. Ich betrat einen Raum neben dem Kunstmuseum Bern und sah mich farbenfroh gekleideten Frauen gegenüber, die in einem mir ungewohnten deutschen Idiom palaverten. Ich staunte, dass man Buchweh haben kann – tat einer ein Buch weh? Hat sie dem Buch weh getan? War das Buch so schwer zu tragen, dass ihr vom Gewicht schlecht wurde? Lag ihr das Buch im Magen? Nein– sie hatte einfach Bauchweh.
Ich erinnere mich
an die Freude beim Vorlesen eigener Texte, an angeregtes Zuhören, an aufgeregte Debatten, an anregende Meinungsverschiedenheiten, an wildes Durcheinander, an disziplinierte, freundliche, zaghafte Rückmeldungen.
Ich erinnere mich
an hin und her geworfene Ideen für Lesungen und Vorträge: wer liest was, in welcher Reihenfolge? Schaffen wir bis zum Termin die Texte zu redigieren? Proben wir genug, um klar und verständlich vorzutragen? Was zieht frau an, wie hält sie das Typo- oder Manuskript, liest sie ab, kann sie frei vortragen?Ich erinnere mich
an die Vollmondlesung inmitten der Blütenpracht des Botanischen Gartens Bern, an den Auftritt im Théatre de Poche in Biel, an die Frauenberatung Xenia, wo nach heftigen Regenfällen das Rauschen der Aare unsere Gespräche zu übertönen versuchte.
Ich erinnere mich
an die Frauenberatungsstelle in der Aarberger Gasse, an die Stadtbibliothek Biel, an Lesungen im ONO, Treffen im Progr, kreative Kleingruppen im Generationenhaus in Bern..
Ich erinnere mich
an die Lektorin Irene Rumler, mit der wir wertschätzendes, weiterführendes Kritisieren erkundeten.
Ich erinnere mich
an die Federfüxin Monika Vogt, die uns unvertraute Schreibstile nahebrachte.
Ich erinnere mich
an Weihnachtsfeiern mit Fondue, Raclette und der Überlegung, ob tatsächlich alle Mädchen beim Krippenspiel Maria sein wollten.
Ich erinnere mich
an Sommergartengelage bei Ursula, Wochenenden im Berner Oberland, musizierende Besuche bei Christine, die Trauerfeier für Els.
Ich erinnere mich
an Zugfahrten mit Erika. Sie war als Kleinkind adoptiert worden. Den Schmerz über die Suche nach Mutter und Vater suchte sie zeitlebens durch Be- und Aufschreiben zu lindern.
Ich erinnere mich
an Elisabeths Chateau in Burgund, wo wir mit den Eseln tollten, einer Quelle beim Entspringen zusahen, von den Männern bekocht wurden und abends unsere Texte vortrugen.
Ich erinnere mich
in die Zukunft hinein: femscript fördert fürderhin frohgemutes, frisches, freches Formulieren!