Altern
Das fängt ja schon mal gut an: «Ich habe mein Leben komplett in den Sand gesetzt» (S. 9) und geht mit Krieg weiter und Krebs und Krankenhausaufenthalten – tja.
Nächste Seite: «Ich hatte ein unfassbar wunderbares Leben» (S. 10). Wie jetzt?
Die Autorin rät: Suchen Sie sich was aus.
So gelangen wir ohne Ratschläge rasch zur Erkenntnis: Das Leben ist wie es ist und wie ich es betrachte, kann ich entscheiden.
In ihrer direkten Art führt uns Heidenreich, 1943 geboren, durch ihr Leben und erzählt erfrischend fabulierend wie sich alt werden anfühlt. Was es da alles zu erleben, zu erfahren gibt. Heidenreich schaut zurück – gern mit Zitaten ihrer LieblingsdichterInnen– und schaut nach vorn.
Wie kann es weitergehen das gute Leben? Was ist ein gutes Leben? Wie haben sich andere damit beschäftigt?
Haben, lieben und sein findet sie wichtige Begriffe für das Alter. «Ich bin mit Disziplin einigermassen in Schwung geblieben», schreibt Heidenreich auf S. 43. Ja, das ist sie. Als ich sie neulich in einem Interview im Radio hörte, erfreute mich ihre frisch-forsche, flotte Stimme.
Die Lektüre von Heidenreichs Altersbetrachtung ermuntert und ermutigt, selbst immer wieder Schwung zu nehmen – und ja bisweilen braucht es Disziplin. Na, dann los!
Elke Heidenreich: Altern, Hanser Berlin 2024, 111 Seiten