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Jahreszeiten Gefühle

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Jahreszeiten – sie kommen und gehen. Bisweilen – bei besonders starken Gefühlen – glauben wir, es wäre jetzt Schluss, die Welt, die Zeit blieben stehen.
Wenn wir in Emotionen versinken, stellen wir uns manchmal vor, wir könnten die Zeit anhalten – doch weder die Welt noch die Zeit richten sich nach unserem Befinden.
Vielmehr können wir uns mit unseren Gefühlen der Zeit anvertrauen – was möglicherweise hilfreicher ist.
«Und es wird trotzdem wieder Sommer werden», tröstet sich der Autor Sebastian Becker nach dem plötzlichen Tod seines Vaters. Niemand hatte damit gerechnet, dass dieser mitten im Leben stehende Mann beim Wandern stürzt, zusammenbricht, stirbt. Becker schreibt, um den Vorgang für sich fassbar zu machen. Er beschreibt seine Empfindungen, seine Gedanken, notiert wie seine Gefühle sich aufbauen und wieder zusammenfallen. Er sucht und findet Worte, will die Trauer fassen, will im Trauern auch dem Hoffen Raum geben.
«Ich lauschte in die Leere, hatte ihr nichts entgegen zu setzen. Bis ich vom Sofa aufstand, auf dem die Trauer und ich schweigend sassen, und anfing, über die zu schreiben, die nun bei mir wohnte.»
In seinem knappen, klaren, beschreibenden Stil zeigt sich tatsächlich immer wieder Stärkendes, Befreiendes. Er sieht, wie die Trauer gewissermassen bei ihm einzieht, lange bleibt und doch allmählich im Lauf der Jahre wieder auszieht.
Fünf Jahre nach des Vaters Tod geht es dem Autor, inzwischen über 30 Jahre alt,  gut: «…wenn ich nicht versuche, ihn (den Tod) zu begreifen. Ich bin so froh, dass du es nicht weisst, dass du nie wissen musst, wie sehr du mir fehlst. Ich hoffe, du hattest mal eine Idee davon, wie viel du mir bedeutest», schliesst das Buch auf der letzten Seite.

Sebastian Becker: Und es wird trotzdem wieder Sommer werden – Über Trauer und Hoffnung, Rowohlt Polaris, Hamburg 2026, 172 Seiten