Imagination

Imagination
wähle ich als Überschrift, weil ich diese stärken will und damit eine neue Seinsweise ins Leben rufen möchte. Was wir denken, fliesst in unser Sprechen ein; was wir sagen, ist wirkmächtig. Was wir lesen, prägt sich ein, prägt, wie wir leben.
Francis Picabia, Grafiker, 1879-1953 in Paris, soll gesagt haben: „Der Kopf ist rund, damit das Denken seine Richtung ändern kann.“ Jetzt ist eine gute Zeit – Kairos: die Gelegenheit beim Schopfe packen – um neu zu denken. Zum Glück gibt es viele Menschen, die das Althergebrachte hinterfragen und neue Entwürfe wagen. Einige Bücher habe ich hier schon vorgestellt und werde weitere besprechen.  Ausserdem sammle ich, was ich an neuen Ideen finde, die uns zu einem leichteren, lustvolleren, labenden Leben locken.

Heute Auszüge aus der Süddeutschen Zeitung online im Artikel von Carina Seeburg: Je weniger Arbeit, desto besser:

Der Ethnologe James Suzman hat die Geschichte der Arbeit analysiert und meint: Es ist an der Zeit, eine Welt zu schaffen, in der Wachstumsideologie und Konsum nicht mehr unser Leben und unseren Planeten aussaugen. Dafür aber müssten die Menschen ihr Verhältnis zur Arbeit überdenken.
„Weshalb überlassen wir dem Beruf einen so großen Teil unseres Lebens? Entspricht das unserer Natur?“
Suzman, Direktor des Thinktanks Anthropos und Fellow am Robinson College der Cambridge University in seinem neuen Buch „Sie nannten es Arbeit – eine andere Geschichte der Menschheit“ (C. H. Beck Verlag).
„Lange wollte uns die Wissenschaft den Übergang zur Landwirtschaft als großen Sprung für die Menschheit verkaufen und erzählte uns eine Geschichte von Fortschritt und Intelligenz. Das jedoch ist ein Ammenmärchen“, schreibt der Historiker und Zukunftsforscher Yuval Noah Harari von der Hebräischen Universität Jerusalem in seinem Weltbestseller „Eine kurze Geschichte der Menschheit“. Denn die Landwirtschaft läutete keine Ära des besseren Lebens ein, ganz im Gegenteil: Sie brachte Krankheiten, Mangelernährung und vor allem: mehr Arbeit.
So wenig die Menschen in der Steinzeit zum Mond geflogen sind oder das Smartphone erfunden haben, so wenig haben sie eben auch kaputt gemacht. Sie lebten im Einklang mit der Natur. Es ging ihnen vermutlich ganz gut dabei.
Jagende, fischende und Beeren pflückende Menschen der Steinzeit hatten nach neuem Forschungsstand viel Freizeit. Und es kam ihnen nicht in den Sinn, diese zur Sicherung ihrer Zukunft gegen die Organisation von Vorräten einzutauschen. Der Homo sapiens scheint damals so gelebt zu haben, wie es gestresste Menschen heute in Achtsamkeitsseminaren lernen: im Moment.

Wie könnte der Weg nach vorne aussehen?

„Was wir jetzt tun müssen, ist, die Gelegenheit zu nutzen, um neue Ansätze zur Organisation des Kapitals zu erkunden“, sagt Suzman. Dazu gehöre die Idee eines universellen Grundeinkommens, aber auch die Einsicht, dass weniger Arbeit besser ist – für den Menschen und für den Planeten.
„In nur sechs Monaten hat das Coronavirus vieles gezeigt, was in unserer Arbeitswelt schlecht ist, und hat Möglichkeiten für Veränderung geschaffen“, sagte Suzman im Gespräch mit der britischen Zeitung The Guardian. Gerade weil die Krise viele Menschen aus der Arbeit gezwungen habe, ergebe sich ein Anlass, über sie nachzudenken. Brauchen wir sie wirklich für Selbstverwirklichung, Status, Lifestyle und Erfüllung? Wie wäre es mit mehr Freizeit ohne Freizeitstress?