schreiben was das Zeug hält

Schreiben was das Zeug hält.
Welches Zeug?
Meines –  woraus besteht es?
Will ich überhaupt etwas halten? Wörter jedenfalls nicht.
Ein Text soll fliessen, ich möchte, dass die Lesenden mitschwimmen.
Vielleicht ist Schreiben tatsächlich ein Strom von Wörtern.
In einem Fluss kann ich mich treiben lassen oder gegen den Strom schwimmen oder eine Insel finden oder ein Treibholz, eben doch etwas zum Halten – zum Innehalten.
Passt dieses Bild zum Schreiben? Schreiben ist nicht etwas per se existierendes, eine lesende Person wird stets hinzu imaginiert. Wozu sonst macht man sich die Mühe? Aus purer Lust am kreativen Prozess – und dann?

Bleiben wir beim Bild des Fliessens – wo ist die Quelle?
In der Idee, der Intention, dem Interesse – von da fliesst ein Strom der Mündung zu. Nimmt andere Flüsse auf – welcher ist der Hauptstrom?
Gleichwohl: ein Text verlangt Gliederung – also doch Halt, sonst ermüdet man beim Lesen.
Ufer können befestigt werden – ein wilder Fluss ist zwar mitreissend, doch braucht es ab und an Pausen des Innehaltens. Zudem benötigen wir Proviant, Futter; Butter bei die Fische, sagt man in Norddeutschland. Schliesslich soll ein Text nahrhaft sein, meinen und deinen Sinnen, meinem und deinem Geist Nahrung bieten. Gleich ob der Strom lang oder kurz ist, ob der Text einem plätschernden Bach ähnelt oder einem furiosen Fluss.

Und jetzt schreib, damit ich etwas zu lesen habe, mich von Deinem Strom mitreissen lasse, zu fernen, fremden Ufern und imaginierten Inseln.